Im Langboot auf dem stürmischen Nordatlantik

Ein historischer Seefahrts-Roman

Mitte neunzehntes Jahrhundert, Liverpool. Die Landflucht verarmter Iren kurbelt die Passagierschifffahrt über den Atlantik in die Neue Welt kräftig an. Der erst siebzehnjährige, aber in der Seefahrt bereits erfahrene Alexander Holmes heuert im März 1841 auf einem Zweimaster an, der nach Philadelphia aufbricht. In der Hoffnung auf eine Zukunft nehmen die Passagiere des Seglers die miserablen hygienischen Bedingungen auf der Überfahrt in Kauf. Erwachsene und Kinder, über sechzig Personen, sind auf engstem Raum im Passagierraum eingepfercht. An Deck plagen sich die Seeleute mit einer rauen See, eisigen Temperaturen und einem despotischen Steuermann, Francis Rhodes.

D. O. Hasselmann: Im Langboot (2019)

Niemand an Bord ahnt, dass Rhodes mit dem profitgierigen Reeder Rafferty ein Abkommen hat. Wenn Rhodes die Überfahrt über den Nordatlantik in weniger als 45 Tagen schafft, will Rafferty ihm das Kommando eines Schiffes übertragen. Heimlich wählt der egozentrische Rhodes eine unübliche, aber vermeintlich schnellere Route, die unkalkulierbare Risiken birgt. Erst hoch auf See erkennt Alexander, dass Rhodes das Leben der Mannschaft und der Passagiere gewissenlos aufs Spiel setzt. Mutig versucht der junge Matrose, das Schlimmste abzuwenden.

Am andern Ufer wartet eine Zukunft

Die Armut und Hoffnungslosigkeit der Passagiere stellt der Autor D. O. Hasselmann eindrucksvoll durch die Figur der Ellen Asken dar, deren Familie durch Missernten verarmte. Ellens Schicksal erinnert mich an das der heutigen Flüchtlinge, die die gefährliche Route über das Mittelmeer wagen. Die historische Katastrophe des Romans (tatsächlich basiert die Geschichte auf einer wahren Begebenheit) knüpft an viele aktuelle an, die sich mit überladenen Schlauchbooten auf dem Mittelmeer ereignen.

Keine halben Sachen bei der Recherche

Mit seinen detailgenauen Beschreibungen fängt Hasselmann die Atmosphäre einer Atlantikfahrt bei eisigen Temperaturen und wettkampfmäßigen Windverhältnissen auf geniale Weise ein. Zum Lesen sollte man sich daher immer eine Tasse heißen Tee bereitstellen :). Die Fachausdrücke sind hervorragend in den Text eingebunden und erklären sich durch den Kontext. Da punktet der Autor ordentlich bei mir, ich finde es großartig, wenn man bei einem Roman mühelos so viel über Seefahrt lernt, ohne auch nur ein einziges Mal etwas nachschlagen zu müssen.

Am Ende des Romans schafft es Hasselmann meisterlich, weder ins Fatalistische noch ins Süßliche abzugleiten – mehr verrate ich zum Ausgang des Buchs nicht. Nur noch mein Fazit: sehr lesenswert!

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